Motivation – oder was Jürgen Klopp mit Mechanik zu tun hat

In der STERN Ausgabe Nr.18 vom 26.4.2012 ist der Artikel „Die Kunst der Motivation“ mit dem Meister-Trainer Jürgen Klopp von Borussia Dortmund erschienen. Er wurde u. A. gefragt, wie er seine Mannschaft dauerhaft motivieren auf Höchstleistung bringen konnte.

Seine Antworten kamen mir doch irgendwie bekannt vor und das war Anlass genug, diesen Artikel zu schreiben. Denn aus meiner Sicht kann man die unterschiedlichen Motivationstheorien auf einen gemeinsamen Nenner bringen.

Das Trägheitsprinzip

Achtung, jetzt kommt der Ingenieur in mir durch:-) In der klassischen Mechanik gibt es das Trägheitsprinzip (1.Newtonsche Gesetz): Es besagt, dass alle Körper im Zustand ihrer Bewegung verharren, solange keine äußere Kraft auf den Körper einwirkt.  Auf Deutsch: Um einen Körper bewegen ist eine Kraft von außen erforderlich.  In einer Formel ausgedrückt:  F = m*a.  (F die Kraft, m die Masse und a die Beschleunigung. Physikalisch ist das Produkt m*a ein Impuls. Randnotiz: Deshalb heißen auch manche Vorträge auch Impulsvorträge, weil Sie von außen motivieren;-)  )

Übertragen auf die Motivation bedeutet das: Damit der Mensch sich bewegt, ist ein Impuls oder eine Kraft erforderlich. Im Unterschied zu anderen trägen Massen besitzt der Mensch die Fähigkeit, sich selber in Bewegung zu setzen. Die  Kraft kann also von außen oder von innen kommen. Und jetzt kommt die spannende (rhetorische) Frage: Welche Kraft sorgt wohl langfristig für bessere Ergebnisse? Richtig. Die Kraft, die von innen kommt (die sog. Intrinsische Motivation). Die Motivationsspritze von außen, z.B. Geld, Incentives oder andere Annehmlichkeiten wirken sehr schnell, sind aber genau schnell wieder verpufft, wie die die moderne Glücksforschung zeigt.

Nur wie zapft man diese innere Kraft an? Wie kommt man daran?

Die Antwort ist recht einfach, die Umsetzung nicht ganz so einfach wie gerne gesagt wird. Zwei der vielen Schlüsselfragen lauten: Was genau treibt mich an, das jetzt so machen wie ich es mache? Welchen Nutzen habe ich davon? Wenn man sich selber Nutzen einer Sache verkaufen kann, ist man die Motivation von außen nicht angewiesen.

 

Und was hat nun Jürgen Klopp gemacht?
Er hat sich mit jedem Spieler unterhalten und hat herausgefunden, was jeden Spieler persönlich antreibt. Er hat das nicht mit gut oder schlecht bewertet, sondern geschaut, wie er jeden Spieler optimal einsetzen kann. Das erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Offenheit und gegenseitigem Respekt. Aber die Mühen haben sich gelohnt, denn der Erfolg gibt ihm ja Recht.

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